02:22:58 22.09.2006 Woche: 8
Am Nabel der Welt
Seit etwas über einer Stunde bin ich in Cusco, der Hauptstadt des Inka-Reiches, dem Mittelpunkt der Welt. Bisher habe ich vom alten Glanz noch nicht viel gesehen ausser einem Hotel nahe der Plaza de Armas, zu dem mich die überaus freundliche Touristenpolizei (die nehm ich mit nach Deutschland!) chauffiert hat. Es ist nämlich schon dunkel und 10 Stunden Zugfahrt schlauchen ganz schön, auch wenn es sich für die Aussicht aus dem Zugfenster definitiv gelohnt hat.
Mein Zimmer ist nicht ganz so schön wie das in Puno, aber okay.
Ansonsten gibt es vorerst nichts zu bemerken, ausser, dass Cusco sehr, sehr touristisch ist. Vorhin habe ich einen Cusqueño, der mich mit "Restaurant, lady?" in seine Lokalität locken wollte, auf Spanisch angeknurrt "Nein, und noch viel weniger auf Englisch!", weil er ungefähr der zehnte war, der mich auf Englisch ansprach. Na ja, er hat mich dann auf Spanisch angesprochen und sein Kollege vom nächsten Lokal wollte mich sofort zum Tanzen einladen - mit Spanisch hat man bei den Cusqueños offenbar einen guten Stand und offensichtlich sind hier auch die Peruanos, die am meisten hinter den gringas her sind. Aber das sind alles nur flüchtige Eindrücke, vielleicht sieht morgen schon alles ganz anders aus? Im Moment bin ich jedenfalls nur müde ...
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01:04:46 19.09.2006 Woche: 8
Vom verzweifelten Versuch, in Puno Geld auszugeben
Nach einem vom Kampf mit meinen Koffern und Taschen erfüllten Sonntag und einem etwas wehmütigen Frühstück am Montag war es heute um Punkt 9.00 Uhr soweit: Ich sass im Bus nach Puno ... und wartete weitere 30 Minuten darauf, dass er sich mal in Bewegung setzen würde. Halb auf dem Schoss, halb zwischen den Knien hatte ich meinen prallgefüllten Trekkingrucksack, weil ich den so gerne bei mir haben wollte und weil er einfach ZU prall für die herkömmlichen Gepäckablagen war. Und, ach ja, nicht zuletzt deshalb, weil neben mir eine Señora sass und dieser Sitz deshalb nicht als Rucksackablage zur Verfügung stand. Der Mann vor mir lehnte natürlich genüsslich seinen Sitz zurück und presste mir den Rucksack liebevoll gegen meine seltsamerweise ebenfalls prall gefüllte Blase, die sich den ersten Toilettenaufenthalt herbeisehnte. Und so, im Bewusstsein äussersten Komforts, begann ich meine fünfstündige Reise Richtung Titicacasee.
Nachdem der Bus irgendwo im Vikuña-Reservat (na gut, kurz danach) extra für mich und meine Sitznachbarin angehalten hatte, damit wir die hiesige Vegetation wässern konnten, ging es mir dann entscheidend besser. Bei einem kurzen Halt für alle Passagiere habe ich dann doch noch mal das abenteuerlichste Plumpsklo benutzt, das ich je gesehen habe (na ja, ein gewisser Luxus war schon da, denn es gab einen Mülleimer und eine Art Tür, die man schliessen konnte. Trotzdem, in der Pampa fand ich's irgendwie ... urwüchsiger).
Schliesslich kamen wir in Juliaca an, das auch in der Nähe des Sees und etwa eine Stunde von Puno entfernt liegt. Meine Sitznachbarin stieg aus, mein Rucksack jubelte.
Dann ging es weiter, über die Puna, die peruanische Hochebene. Weite, gelbliche Flächen, hier und da nicht eben sehr luxuriös anmutende Häuser. Und dann der erste Blick auf den Titicacasee, ein blauer Streifen am Horizont. Hinter der nächsten Kurve sah ich den See dann ganz oder zumindest doch ein grosses Stück mehr als vorher. Er ist ... blau. Blaublau. Irgendwie Wahnsinn. Und am Ufer die Häuser von Puno, als ob irgendjemand (vermutlich würden die Peruanos mal wieder Gott die Schuld geben) sie aus einem gigantischen Würfelbecher da hin geschüttet hätte. In die Stadt hinein fuhren wir bergab, die Sonne schien (auf dem Weg hatte ich das erste Mal seit langem wieder diese weissgrauen Dinger am Himmel gesehen, deren Namen ich vor meiner Zeit in Arequipa noch wusste) und ich war sehr froh, hier zu sein.
Am Terminal schnappte ich mir den netten Herren der Touristeninformation zwecks Hotelempfehlung. Das empfohlene Hotel hiess Arequipa (ein gutes Zeichen), liegt im Jr. Arequipa (auch ein gutes Zeichen) und gleich an der Plaza de Armas (überhaupt das allerbeste Zeichen). Ins Centro konnte man sich ein Taxi nehmen oder laufen. Ich Sturkopf bin natürlich gelaufen.
Nein, ich bereue es nicht, ich bereue nur, die Hinweise auf die Kälte Punos so ernst genommen haben und im strahlenden Sonnenschein mit drei Jacken losgezogen zu sein.
Es war warm, sehr warm.
Natürlich verlief ich mich.
Aber nur ein bisschen. Standhaft wehrte ich die vielen Taxifahrer ab, die einem wie ein Schwarm Fliegen folgen, und stand plötzlich auf der Plaza de Armas (seht ihr, ich wusste, warum ich diesen Schleichweg nehme) und vor dem Hotel Arequipa.
Das Einzelzimmer mit privatem Bad und warmen Wasser kostet 30 Soles. Ein Teil von mir will sich angesichts des Preises über diese Blutsaugerei und Touristenabzocke aufregen, ein anderer Teil erinnert mich zaghaft daran, dass 7,50 Euro noch immer ein ganz fairer Preis sind.
Zum Mittagessen wollte ich eigentlich einen 100-Soles-Schein wechseln. Also bestellte ich mir 1/8-Hähnchen (meinem Hunger angepasst), zu dem mir eine Suppe und Salat serviert wurden, und eine Fanta. Das kostete dann alles zusammen vier Soles (einen Euro) und irgendwie traute ich mich da nicht, mit meinem Schein zu bezahlen ...
Dann stürzte ich mich todesmutig in eine Reiseagentur, die Touren auf die Inseln des Sees (nona, auf die Inseln der Berge) organisieren, und liess mich zu einer 2-Tages-Tour überreden.
Das heisst, dass ich morgen kurz vor 7 vom Hotel abgeholt und runter an den See gebracht werde. Von dort aus geht es dann auf die schwimmenden Inseln der Uros, von da auf die Insel Amantaní, wo es Mittag, Abendbrot und eine Übernachtung gibt. Am nächsten Tag fahren wir auf eine andere Insel, Taquile, und von da zurück nach Puno. Der Spass kostet 45 Soles. Das sind etwas mehr als 10 Euro. Kein Kommentar.
Mittlerweile habe ich schon diverse chullos (diese praktischen Mützen mit Ohrenklappen), Alpaka-Socken (doch, nachts wird es hier SEHR kalt), einen Rucksack (für die Tour morgen), einen Schal und einen Sombrero gekauft. Irgendwie ist hier alles so billig. Es war jedenfalls gar nicht einfach, den 100-Soles-Schein klein zu kriegen ...
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