03:06:56 04.09.2007 Woche: 59
Busfahren in Perú
Ich bin gefragt worden, was man denn eigentlich sieht, wenn man aus dem Busfenster schaut, wer da eigentlich mit im Bus sitzt und wie man so lange Busreisen aushält. Das sind eigentlich ganz interessante Fragen, deswegen beantworte ich sie mal hier im Blog.
Die Landschaft ist - logo - bergig. Es geht durch gewundene Täler. Im Moment ist die Erde sehr trocken, vielen Pflanzen sieht man das auch an, trotzdem gibt es immer wieder satte grüne Farbtupfer und langgestreckte Felder. Hier um Huánuco werden z.B. Mais und Zuckerrohr angebaut (und Mango, Orangen, Chirimoyas ... hmmm). Kakteen - "tunas" mit ihren leckeren Früchtern und Cochinille-Farbstoff - sind hier sehr viel zu sehen, richtige "Kakteenwälder - habe ich schon beobachtet, blasses, fast bläuliches Grün. Viele Flüsse führen nur wenig Wasser, andere rauschen schon recht beachtlich dahin, wechseln zwischen trüben Braun, Tiefgrün und leuchtendem Türkis.
Wer sitzt mit im Bus?
Im "colectivo", also dem Sammeltaxi-Minibus für mehr oder minder kurze Strecken, aber auch im normalen Reisebus sehe ich viel Landbevölkerung. Frauen jedes Alters steigen mit ihren langen, geflochtenen Zöpfen, ihrem breitkrempigen Hüten und ihren recht kurzen Röcken - manchmal mehrere übereinander, wie es Brauch ist - und besonders wichtig mit ihren bunten Tüchern ein, in denen sie entweder ein Kind oder aber diverse Sachen eingewickelt auf ihrem Rücken tragen. Das Tuch wird dann auf der Brust verknotet und man hat wunderbar die Hände frei. Hin und wieder hat eine Frau auch mal ein kleines Zicklein dabei.
Ansonsten fahren natürlich auch "moderner" gekleidete Leute mit, Jugendliche, Schüler und Schülerinnen in ihren Uniformen - alle Altersgruppen, auch ganz kleine Pimpfe mit laufender Nase -, elegant gekleidete Frauen, die offenschtlich aus Lima oder sonstwo zu Besuch sind, mollige Mamis mit ihren kultigen karierten Plastiktaschen, leger gekleidete Jungs, die irgendwo in der Pampa wieder aussteigen ... Das Spektrum ist bunt und breit, und eines der Mittel, sich die Zeit zu vertreiben, ist natürlich das Studium der Mitreisenden. Was im "colectivo" besonders gut funktioniert, wo man eng gedrängt sitzt und wo auch dann noch Leute einsteigen, wenn eigentlich gar kein Platz mehr ist.
Ansonsten - der Blick aus dem Fenster oder in den Proviantbeutel ist auch sehr hilfreich. Auf der Strecke nach Huancayo habe ich auch gelesen, weil ich in Ayacucho fleissig kleine Bücher für ein paar Soles gekauft habe und mich so jetzt auch durch peruanische Literatur arbeite. Dann kann man versuchen zu schlafen - gerade unter Peruanern im Colectivo der beliebteste Zeitvertreib - oder sich sinnlose Sachen ausdenken, mit denen man die Zeit überbrücken könnte, wie etwa Kurven zählen oder Melodien mit Kekskrümeln knuspern.
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