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Es sind 1 Einträge in der 2. Woche vorhanden. 07.08.2006 - 13.08.2006

01:08:13 09.08.2006 Woche: 2

Eine Woche Arbeit ...

... und ich mag die Bälger noch immer, obwohl sie nach dem Wochenende schlimmer als je zuvor zurückkommen und überhaupt nicht mehr hören.

Vielleicht mal ein paar Infos zu Arequipa:

Arequipa wurde am 15. August 1540 (Mariä Himmelfahrt) gegründet, das heisst, die Stadt feiert jetzt gerade ihren 466. Geburtstag. Gestern hab ich zum Beispiel eine Prozession mitbekommen, die sehr an die Semana Santa (die Karwoche) erinnerte ... zwei grosse hölzerne Engel kamen im Abendlicht auf mich zugewankt, perfekt für Fotos.

Der Legende nach gab es hier vorher schon eine Inkasiedlung und der Name der Stadt wird auf zwei Weisen erklärt. Einmal soll er soviel wie "am Fusse des Vulkans" bedeuten, was angesichts der umgebenden Vulkane (Chachani, Misti, Pichu Pichu) recht plausibel wäre.
Die andere Geschichte ist aber viel schöner. Ihr zufolge lief ein Tross Inka mit ihrem Anführer durch die Wildnis und suchte einen Ort zum Bleiben. Als man dorthin kam, wo später Arequipa liegen sollte - im Süden des heutigen Perús, in der Halbwüste des pazifischen Küstenstreifens -, rief der Anführer entzückt und in akzentfreiem Quechua aus: "Arí, quepay!" Was dann soviel bedeuten würde wie: Ja, bleibt! Ja, bleiben wir! Und daraus soll dann Arequipa geworden sein. Ich persönlich mag diese Version, auch wenn sie vermutlich blosse Legende ist.

Man nennt die Stadt auch "La Ciudad Blanca", also Weisse Stadt. Das liegt daran, dass die Vulkane (wahrscheinlich nur der Chachani, der Misti ist schon länger erloschen) über Jahrtausende ihre Lava ins Tal geschleudert haben und daraus weisser Tuff entstanden ist (wie das geht, das müsst ihr fachkundige Geophysiker fragen). Aus diesem weissen Stein (sillar) wurden viele Kirchen und andere koloniale Bauten errichtet. Das merkt man, wenn man durch den Stadtkern bummelt.
Ein anderer Beinahme ist "Stadt des Ewigen Frühlings". (Beides sind übrigens Namen, die man auch mexikanischen Städten gegeben hat - Mérida, der weissen Stadt Mexikos, und Cuernavaca, Mexikos Stadt des Ewigen Frühlings). Die Stadt ist nämlich vom Klima verwöhnt und die Durchschnittstemperatur liegt ganzjährlich über 20 Grad. Aus meinen Massenmails ist ja sicher schon hervorgegangen, dass hier so gut wie jeden Tag die Sonne scheint und es tagsüber angenehm warm ist. Abends wird es etwas kühler.

Arequipas Einwohner sind wenig bescheiden und sehr "regionalistas". Es gibt hier T-Shirts zu kaufen, mit der Aufschrift: "Ich, Peruaner? Aber nein ... Arequipeño, carajo!" Und es gibt eigene Pässe für die "Unabhängige Republik Arequipa". Meine Gastfamilie hat mir erzählt, dass die schlimmsten peruanischen Terroristen der 80er Jahre alle Arequipeños waren - deshalb blieb die Stadt von dem Terror verschont, während der Rest des Landes zitterte. Ob das so stimmt und wenn es stimmt, ob man darauf stolz sein kann, weiss ich nicht. Aber man erzählt es sich. Mario Vargas Llosa, der berühmte peruanische Schriftsteller, kommt übrigens auch aus Arequipa (natürlich!).

Und natürlich gibt es hier auch selbstbewusste Geschichten über die Erschaffung der Welt; als Gott fertig war, hatte er das Schönste aufgespart. Ihm blieben drei Vulkane, ein blauer Himmel und eine Sonne. Und daraus machte er Arequipa. Ungefähr so.

Was noch? Die Stadt wird auch "Löwe des Südens" genannt (jedenfalls sagt man das hier) und hat fast eine Million Einwohner. Und, wie wahrscheinlich jede lateinamerikanische Stadt, hat sie auch ihre Elendsviertel. Das Barrio, in dem ich arbeite, ist Gott sei Dank nicht allzu trist. Aber man sieht schon, dass die Häuser heruntergekommener sind, und als ich heute auf den Bus gewartet habe, fielen mir ein paar Konstruktionen aus Ziegelsteinen und Wellblech auf. Da trocknete Wäsche in der Sonne, da gab es provisorische Türen aus Stoff ... da wohnen Menschen. Sich das anzugucken und zu denken, dass es wahrscheinlich noch viel schlimmer geht, war schon ein seltsames Gefühl. Ich bin nicht direkt mit der extremen Armut konfrontiert, aber am Rande ahnt man sie immer.

Soviel zur Weissen Stadt des Südens! Der Eintrag ist schon wieder viel zu lang geworden ...

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