19:23:04 25.01.2009 Woche: 131
Eine Strasse in Perú
Wenn ich wieder in Berlín bin, weiss ich schon, was mir fehlen wird ... abgesehen von der Sonne Arequipas!
Ich verlasse mein Haus und gehe die Strasse Richtung Plaza hinauf - keine Redensart, da ist wirklich eine leichte Steigung. Ein paar Schritte von meiner Haustür sitzt meine "caserita" in einer Garageneinfahrt und verkauft "tunas", köstlich saftige und süsse Kaktusfeigen. Die "casera" oder auch der "casero" ist die Person, bei der man bevorzugt einkauft, sozusagen Stammkunde ist - ein richtiges deutsches Äquivalent fällt mir dazu gerade nicht ein. Meine "casera" mit den "tunas" ist wie viele andere eine ältere Frau, die in der Tracht des Colca-Tals kommt und besser Quechua als Spanisch spricht. Stundenlang sitzt sie auf ihrem Posten, eifrig darauf bedacht, dass die "tunas" im Schatten bleiben, und verkauft sie an Passanten - Schälen ist im Preis inbegriffen.
Wieder ein paar Meter weiter steht ein altes Auto mit offenem Kofferraum am Strassenrand - im Kofferraum glänzen, in grossen Plastikschüsseln angerichtet, Berge von frischen Oliven aus Ilo.
Zwei Strassenverkäufer mit bunten Heftchen in den Händen versuchen sich gegenseitig zu übertönen: der eine bietet Rezepte für Brathähnchen und Truthahn feil, der andere das neue Reglement für den Führerschein, alles für einen Sol. Der Rasierklingenverkäufer marschiert langsam auf und ab, während der Mann mit den Batterien in seinem Bauchladen seinen Stammplatz hat. Manchmal ist auch der Mann da, der Mülltüten verkauft und dann neben den Frauen in den neongelben Westen steht, die mit schnarrender Stimme "llamadas, llamadas" anbieten - wandelnde "locutorios", die man ansprechen und dann von ihren Handys aus Anrufe auf Claro oder Movistar machen kann.
Im schmalen Schatten der gegenüberliegenden Strassenseite verkaufen Frauen "tamales", eine Spezialität aus Maismehl mit Fleisch und Oliven, eingewickelt in Mais- oder Bananenblätter.
An kleinen, mobilen Kiosken kann man Kaugummis, Bonbons, Kekse, Zigaretten, Wasser, Limonade und weiteres Knabberzeug erstehen.
Am frühen Abend werden diese Kioske verschwinden und durch ihre nächtlichen Pendants ersetzt: Sandwich-Kioske, an denen meist Frauen auf einer kleinen Herdplatte hauchdünnes Hamburger-Fleisch oder Hähnchen brutzeln, um es zusammen mit Salat und Kartoffelstreifen in einem Brötchen zu verkaufen. Und die Stände, die "emoliente" verkaufen, eine Mischung aus verschiedenen Tees und Kräutern, die frisch vor den Augen des Kunden zubereitet wird und auf Wunsch heiss oder lauwarm serviert wird.
An der nächsten Strassenecke steht eine Frau mit einem Fass und preist "queso helado" an, Arequipas typische Eisspezialität aus Milch, Zimt und Zucker. Ihr gegenüber erschlägt sich ein weiterer "ambulante" mit gigantischen Stadtplänen von Arequipa, und eine Nonne kauft ein Paar Hausschuhe. Der Mann, der beladen mit Schnürsenkeln wie ein leibhaftiger Ekeko aussieht, ist in der ganzen Stadt eine Legende.
Nichts, was man nicht auf der Strasse kaufen könnte. Man muss nur wissen wo und wann. In der Fussgängerzone flanieren die aufdringlichen Sonnenbrillenverkäufer und am Markt San Camilo warten geduldig Frauen mit ihrer Waage, bei denen man für dreissig Centavos sein Gewicht überprüfen kann.
Kinderbücher, Blusen, Mützen, Heiligenbildchen, Dosenöffner, Kissen und Handtücher, ja sogar Hundewelpen, Wasserschildkröten und Papageien:
Seit Arequipa habe ich keine Lust mehr auf Supermärkte.
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