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12:56:13 14.07.2010 Woche: 207
Umwelt und Fußball
Ja, ich hab eine Weile nichts von mir lesen lassen, zumindest nicht in diesem Blog. Grund: ich schreibe momentan mehr bei suite101.de, und außerdem ist Fußball-WM.
Nicht nur meine peruanischen Freunde haben Verständnisprobleme, dass ich beim Halbfinale eindeutig für Spanien war - und mich dementsprechend über den spanischen Sieg freue. ¡Olé! Wer eine kleine Einschätzung des Spiels von mir lesen möchte, kann das hier tun.
Wer sich darüber hinaus fragt, warum die Spanier beim Spielen ihrer Hymne nie ordentlich mitsingen, findet hier die Antwort.
Aber natürlich geht es nicht nur um Fußball. Peru sorgte in diesen Tagen wieder für Schlagzeilen, weil die Regierung den britischen Umweltaktivisten Paul McAuley ausweisen wollte. Mittlerweile scheint McAuley aber erst einmal in Peru bleiben zu dürfen.
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12:55:57 14.07.2010 Woche: 207
Umwelt und Fußball
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Ja, ich hab eine Weile nichts von mir lesen lassen, zumindest nicht in diesem Blog. Grund: ich schreibe momentan mehr bei suite101.de, und außerdem ist Fußball-WM.
Nicht nur meine peruanischen Freunde haben Verständnisprobleme, dass ich beim Halbfinale eindeutig für Spanien war - und mich dementsprechend über den spanischen Sieg freue. ¡Olé! Wer eine kleine Einschätzung des Spiels von mir lesen möchte, kann das hier tun.
Wer sich darüber hinaus fragt, warum die Spanier beim Spielen ihrer Hymne nie ordentlich mitsingen, findet hier die Antwort.
Aber natürlich geht es nicht nur um Fußball. Peru sorgte in diesen Tagen wieder für Schlagzeilen, weil die Regierung den britischen Umweltaktivisten Paul McAuley ausweisen wollte. Mittlerweile scheint McAuley aber erst einmal in Peru bleiben zu dürfen.
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11:54:04 08.07.2010 Woche: 206
Umwelt und Fußball
Ja, ich hab eine Weile nichts von mir lesen lassen, zumindest nicht in diesem Blog. Grund: ich schreibe momentan mehr bei suite101.de, und außerdem ist Fußball-WM.
Nicht nur meine peruanischen Freunde haben Verständnisprobleme, dass ich beim Halbfinale eindeutig für Spanien war - und mich dementsprechend über den spanischen Sieg freue. ¡Olé! Wer eine kleine Einschätzung des Spiels von mir lesen möchte, kann das hier tun.
Wer sich darüber hinaus fragt, warum die Spanier beim Spielen ihrer Hymne nie ordentlich mitsingen, findet hier die Antwort.
Aber natürlich geht es nicht nur um Fußball. Peru sorgte in diesen Tagen wieder für Schlagzeilen, weil die Regierung den britischen Umweltaktivisten Paul McAuley ausweisen wollte. Mittlerweile scheint McAuley aber erst einmal in Peru bleiben zu dürfen.
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00:07:42 05.06.2010 Woche: 201
Bagua, ein Jahr
Unglaublich. Es ist bereits ein Jahr vergangen, seit die Ereignisse von Bagua im Amazonasgebiet um die Welt gingen. Hier habe ich einen Artikel über Bagua geschrieben, ausführlicher hatte ich mich mit dem Thema in einer Hausarbeit auseinandergesetzt. Auch wenn es oft reichlich hart war, sich durchzulesen, mit welchen harten Worten Präsident Alan García gegen die indigene Bevölkerung hetzt. So viel Rassismus an der Spitze der peruanischen Regierung - das tut weh.
Morgen ist übrigens auch Tag des Rums. Aber gerade im Amazonasgebiet wird man den wohl eher nicht feiern, es sind Streiks zum Gedenken an Bagua angekündigt worden. Ich bin fast sicher, dass Alan García kein Wort über den \"Baguazo\" verlieren wird - schließlich geht es nur um Menschen, die \"nicht Bürger erster Klasse\" sind, wie García damals in einem Fernsehinterview sagte.
Auf Facebook kann man einer Gruppe beitreten, deren Name lautet: \"Este 05 de junio NO celebro el día del ron; YO RECUERDO EL BAGUAZO!!!\" (An diesem 5. Juni feiere ich nicht den Tag des Rums, ICH ERINNERE MICH AN DEN BAGUAZO!)
Sie hat knapp 7.000 Mitglieder. Das ist viel, aber noch viel zu wenig. Und natürlich muss auch in der Realität etwas passieren, nicht nur in der virtuellen Sphäre von Facebook. Wer weiß, was wird?
Ich werde an diesem 5. Juni jedenfalls auch Baguas Gedenken - der Toten (ja, auch der Polizisten), aber vor allem Fällen all jenen, die diskreditiert und verteufelt wurden und werden - von ihrer eigenen Regierung, weil ihr einziges wahres Verbrechen darin besteht, indígena zu sein.
In diesem Sinne, adelante:
La selva no se vende - la selva se defiende!
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08:05:14 26.05.2010 Woche: 200
10.000 ...
... Seitenbesuche sind überschritten. Wow, hätte ich nicht gedacht, als mein kleines Blögchen vor vier Jahren startete. Danke allen fürs Lesen - es wird natürlich weiterhin Futter rund um Perú geben ...
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13:45:26 08.05.2010 Woche: 197
Marco Arana erhält Aachener Friedenspreis
Das heitert doch den grauesten Samstag auf:
Marco Arana, ein peruanischer Priester, erhält den diesjährigen Aachener Friedenspreis. Arana kämpft im Norden Perus, in Cajamarca, gegen die skrupellose Umweltzerstörung der Minengesellschaft Newmont Mining Corporation.
Yanacocha heißt die berühmt gewordene Mine, um die es geht; bezeichnenderweise bedeutet dieser Quechuaname \"schwarzer See\".
Im verlinkten Artikel heißt es:
Die Goldschürferei in den Bergen verursache laut Umweltschützern vielfältige Gesundheits- und Umweltschäden. Denn bei der Goldgewinnung «verschwinden ganze Berge», massenweise werde Wasser verschwendet. Neben dem Gold, das gewonnen wird, werden zerstörerische Gifte wie das Schwermetall Quecksilber, Arsen, Zyanide oder Blei in die Umwelt abgegeben und verseuchen Land und Leute.
Gemeinsam mit seiner Bewegung \"Tierra y Libertad\" geht Marco Arana gegen die Minenbesitzer vor, auch wenn er schon mehrmals Todesdrohungen erhalten hat.
Den Preis erhält Marco Arana dem Artikel zufolge, \"weil er gegen alle Widerstände auf der Seite der Kleinen und vor allem mit ihnen für Gerechtigkeit, menschliche Entwicklung und den Erhalt der Umwelt kämpft\".
Am 1. September wird er in Aachen sein und den Preis entgegennehmen. Bis dahin bleibt ihm einiges zu tun, nicht nur an seiner klassischen Front. Denn Marco Arana ist jetzt auch offizieller Präsidentschaftskandidat für die Wahlen im nächsten Jahr.
Vielleicht steht er noch abgeschlagen da, doch im Vergleich zu Kandidaten wie Keiko Fujimori, Ollanta Humala & Co. gibt er zumindest Hoffnung, dass ein anderes Perú möglich ist.
Zunächst erst einmal, ¡felicidades!
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13:57:26 13.04.2010 Woche: 194
Der
Das stand heute in der B.Z. zu lesen hier:
Warum setzt sich die Medienanstalt nicht für deutschsprachige Sender ein?
12. April 2010 21.00 Uhr, BZ
Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) will das alte RBB-Multikulti wieder auferstehen lassen. Multikulti war wegen seines belanglosen Programms gescheitert (nur 38 000 Zuhörer am Tag, also 0,8 Prozent). Ende 2008 hatte der RBB das Programm abgeschaltet und durch \"Funkhaus Europa\" vom WDR ersetzt. Radio Multikulti verschwand ins Internet (Multicult 2.0).
Ich versuchte, es mir mal anzuhören (auch über Telefon: 030 / 692 03 920), verstand aber leider kein Wort, denn zwischen dem Abdudeln von kubanischer und arabischer Folklore unterhielten sich dort Leute in mir unverständlichen Sprachen. Ich fragte MABB-Chef Hege: Brauchen wir das? Er sagte: \"Multicult 2.0 bewundere ich dafür, dass die Leute dort so professionell sind.\"Auf www.multicult20.de schreiben diese professionellen Leute: \"Wir (...) berichten von Korea bis Kroatien, von Brasilien bis Belgien, von Sri Lanka bis Simbabwe.\" Ganz wunderbar, aber das sollte dann auch von Korea oder Simbabwe finanziert werden.
Die Gebühren der Berliner Rundfunkzahler müssen dagegen in deutschsprachige Sendungen fließen. Mit \"Funkhaus Europa\" haben wir ja schon ein gebührenfinanziertes Ausländer-Radio. Was in Berlin fehlt, ist ein Sender, in dem nicht nur deutsche Worte gesprochen, sondern auch deutsche Musik gespielt wird. Ein solches Radio könnte die MABB ja mal unterstützen!
Was ich Schupelius geantwortet habe (ist etwas länger - ihr kennt mich:
Lieber Herr Schupelius,
\"Multikulti war wegen seines belanglosen Programms gescheitert (nur 38 000 Zuhörer am Tag, also 0,8 Prozent).\"
Das stimmt so nicht. Denn: Diese Zahlen erfassen nur EU-Bürger. Multikulti war aber auch Informationsquelle
und Sprachrohr für die Communities von Nicht-EU-Bürgern. Afrikanische, asiatische und lateinamerikanische Communities,
deren Angehörige in Berlin leben und Multikulti hörten, wurden in der Umfrage nicht erfasst. Ebenso wenig die Internethörer aus
ganz Deutschland, ja - weltweit. Wir können also davon ausgehen, dass die wahre Hörerzahl von Multikulti doch über den
gerne zitierten 38 000 liegt. Abgesehen davon: Hätten Sie die Schließungsdebatte 2008 verfolgt, dann wüssten Sie, dass
RBB-Intendantin Dagmar Reim die Hörerquote als Schließungsgrund stets leugnete. Der RBB führte Sparmaßnahmen an - die
angesichts des geringen Budgets, das Multikulti jährlich benötigte, zugegeben ein fadenscheiniger Grund waren (das benötigte
Einsparvolumen des RBB belief sich auf 54 Millionen Euro, Multikulti hätte offiziell auf vier Jahre gerechnet 16 Millionen dazu beigetragen,
bei näherem Nachrechnen aber noch viel weniger, nämlich höchstens rund 10 Millionen.) In der Rettungskampagne für Multikulti konnten
übrigens innerhalb weniger Monate über 30.000 belangloser Unterschriften gesammelt werden. (Wie viele Menschen würden eigentlich
zur Rettung Ihrer Kolumne unterschreiben?)
\"Ich versuchte, es mir mal anzuhören (auch über Telefon: 030 / 692 03 920), verstand aber leider kein Wort, denn zwischen dem Abdudeln von kubanischer und arabischer Folklore unterhielten sich dort Leute in mir unverständlichen Sprachen.\"
Erstens: Folklore läuft auf Multicult2.0 eher selten, sondern Weltmusik. Wie auch hier ein Unterschied zwischen dem klassischen Schuhplattlercombo und Hansi Hinterseer einerseits sowie Peter Fox, Culcha Candela und Herbert Grönemeyer andererseits besteht, gibt es auch andernorts einen Unterschied zwischen Folklore und populärer Musik. Dass die verschiedenen Genres der Weltmusik durchaus starke Wurzeln in folkloristischen
Traditionen haben, ist richtig. Wer aber ein bisschen über seinen Tellerrand hinaussieht (und hört), der weiß, dass einst auf Multikulti und auch heute auf Multicult2.0 abseits des deutschen Mainstreams Musik läuft, die in anderen Ländern mit großer Selbstverständlichkeit
im Radio zu hören ist. Auch Sie haben bestimmt schon mal bewundernd auf Shakiras Hintern geschaut - die Dame ist eine der ganz großen
des internationalen Musikgeschäfts und wurde in Deutschland von Radio Multikulti gespielt, ehe die klassischen Mainstreamsender auch
nur wussten, wie man ihren Namen schreibt (oder wo ihr Herkunftsland Kolumbien liegt).
Zweitens: Ja, es gibt muttersprachliche Programme bei Multicult2.0. Was machen die? Sie informieren hiesige Communities über das, was nicht nur in ihrem Heimatland, sondern auch hier in Berlin passiert. Sie schaffen einen Zugang zu Informationen, den diese Menschen ansonsten so leicht
nicht hätten. Halten sie die Migranten damit vom Deutschlernen ab? Wir glauben, nein. Sie schaffen vielmehr eine Grundlage für Interesse und schlagen eine Brücke. Und es gibt auch Deutsche, die durchaus mit Fremdsprachenkenntnissen gesegnet sind. Die sind dankbar, wenn sie ein Programm auf einer anderen Sprache hören und damit trainieren können. Aber, drittens:
Multicult2.0 ist ein Internetradio, und letztendlich überwiegt der Anteil der deutschsprachigen Sendungen. Ich schaue ins Programmschema von Multicult2.0. Dort sind knapp 50 Sendungen aufgelistet, 30 davon sind ganz oder überwiegend deutschsprachig, einige der restlichen bieten eine Doppelmoderation. Und: Dank einer innovativen Software namens Audiantis wird es in Zukunft verstärkt möglich sein, Sendungen nach Wahl auf Deutsch oder in einer bestimmten Fremdsprache zu hören. Den Anfang macht die Kindersendung \"Multipieps Cultmatz\", dort können die Zuhörer wählen, ob sie ihre Gute-Nacht-Geschichte auf Deutsch, Spanisch, Englisch oder auf einer vierten Sprache hören wollen. Auf diese Weise könnte auf Frequenz durchaus eine auch Ihnen verständliche Sendung laufen - und im Internet die Muttersprachenversion. Musik als Sprache ist übrigens international - was hören Sie denn so?
\"Ganz wunderbar, aber das sollte dann auch von Korea oder Simbabwe finanziert werden.\"
Nö. Denn Menschen aus Korea und Simbabwe leben auch in Berlin. Sie haben es vielleicht nicht bemerkt, aber Deutschland hat längst den Schritt
zu einer multikulturellen Gesellschaft getan. Moment mal, schreiben Sie nicht für eine Berliner Zeitung und leben Sie nicht auch in Berlin? Das überrascht
mich jetzt aber. Denn offenbar ist die multikulturelle Realität der Hautpstadt an Ihnen vorbeigegangen und Ihre Schreibe liest sich eher nach dem Groß-Schlattengrüner Kleinanzeiger - nichts für ungut.
\"Mit \"Funkhaus Europa\" haben wir ja schon ein gebührenfinanziertes Ausländer-Radio.\"
Das ist richtig. Aber: Funkhaus Europa sendet aus Köln und wendet sich an ein anderes Zielpublikum als es damals Multikulti tat, das in Berlin verankert war.
Die migrantischen Communities in Berlin sind andere als im Pott, und auch die gesamte kulturelle Szene der Hauptstadt unterscheidet sich von der in Köln und Co. - da werden Sie mir, denke ich, zustimmen müssen. Fazit: Eine kosmopolitische, multikulturelle Hauptstadt, die sich selbst mit \"sei einzigartig - sei vielfältig - sei berlin\" bewirbt, braucht ein ebensolches Radio. Eines, das die Vielfalt widerspiegelt und auf Berliner Themen eingeht. Eines wie Multicult2.0.
Und im übrigen: Weder Funkhaus Europa noch Radio Multikulti und noch viel weniger Radio Multicult2.0 sind \"Ausländer-Radios\". Ja, sie richten sich auch an ausländische Mitbürger. Es gibt aber, halten Sie sich fest, sogar auch Deutsche, die sich für Weltmusik interessieren und für das, was jenseits ihrer grau raschelnden B.Z. passiert. Sowas nennt man \"weltoffen\". Dazu gehört dann auch, dass man in seinem Musikgeschmack mal über Tokyo Hotel hinausgeht. Faszinierend, oder?
\"Was in Berlin fehlt, ist ein Sender, in dem nicht nur deutsche Worte gesprochen, sondern auch deutsche Musik gespielt wird.\"
Mit Spreeradio, Antenne Brandenburg & Co. ist ein Mensch wie Sie doch bestens bedient - oder nicht? Mal abgesehen davon: Deutsche Musik, das ist
auch Seeed, Culcha Candela, Peter Fox, Miss Platnum, P.R. Kantate, Nosliw, RotFront, Russendisco, NomadSoundSystem ... Ja, manche davon heißen nicht Schulze und Schupelius mit Nachnamen. Und ihre Musik klingt auch anders als Hansi Hinterseer. Sie machen Weltmusik, und sie laufen deshalb auch auf Multicult2.0. Oder was verstehen Sie unter \"deutscher Musik\"?
Gerechter Zorn? Davon merke ich in Ihrer Kolumne nichts. Die schmeckt mir eher kurzsichtig, provinzdumpf und, nichts für ungut, ein bisschen bräunlich verbrannt. Und schlecht recherchiert, mit Verlaub, ist sie auch.
Was ist denn deutsch? In einer Stadt wie Berlin brauchen wir keine Schlagersender, oder zumindest nicht mehr, als die wir haben. In einer Stadt wie Berlin brauchen wir auch mehr als den Mainstream-Einheitsbrei, der uns aus jedem zweiten Radiolautsprecher entgegenquillt. Und von Zeitungen wie der Ihren beworben und breitgetreten wird. Danke, nein.
In einer Stadt wie Berlin brauchen wir Multicult2.0. Damit aus Schupelius-City eine Stadt wird, die sich ihrer Vielfalt bewusst und würdig erweist. Damit \"Multikulti\" nicht mehr ein Schimpfwort für einen weltfremden politischen Schmusekurs ist, sondern Ausdruck einer gelebten Realität: komplex und konfliktiv, das ja, aber voller Chancen für alle Beteiligten eines interkulturellen Zusammenlebens.
Bin ich damit unnormal? In Ihren Augen sicher. Ich bin es gerne. Da draußen gibt es mindestens 38 000 Menschen, die genauso unnormal sind wie ich. Wahrscheinlich sogar mehr. Zum Abschluss möchte ich Ihnen den Text eines Liedes ans Herz legen, das unter anderem von P.R. Kantate zum Erhalt von Radio Multikulti gesungen wurde. Und keine Sorge, er ist größtenteils auf Deutsch - und passt auf Ihren Kommentar quasi wie die Faust aufs Auge - da hätte ich mir meine ganze Mail eigentlich sparen können.
Nich\' normal
[Popkultur, Popkultur ... Die Masse ist träge ... Kultur für die Masse ist schwer zu ertragen!
Es gibt praktisch keine Ecke mehr, die nicht von der Mainstreamkultur plattgemacht wird!]
Viele Leute suchen ihre Identität
im Einerlei der sogenannten Normalität
Da wird nicht mal vorsichtig übern Tellerrand gespäht
Nur aus Angst, dass vielleicht etwas Neues entsteht.
Doch diese Mentalität
zeugt von Naivität
Ja, man klebt fest, wenn man immer nur im Einheitsbrei steht
Sich nicht wendet und dreht
und die Realität
rauscht an einem vorbei, weil längst ein frischer Wind weht!
Die Leute werden verwirrt,
es knackt in ihrem Hirn,
das Liedniveau stirbt,
wie, wie, wo, wer?
Schade, was passiert,
denn der cash kassiert,
ist der, der die echte Kultur kastriert!
So viele Dinge verschwinden,
wo sind die Stimmen zum Singen,
wo sind die Hände zum Klatschen
und nicht nur Finger, die schnippen?
Oh mein Gott, was bleibt noch?
20.000 Songs auf eurem I-Pod?
[20.000 Songs auf dem I-Pod ... aber kein Lied auf den Lippen!]
Ey, Musik ist mehr als 80er, Leute,
ey, Musik ist mehr als 90er, Leute
ey, Musik ist mehr als das \"Beste von heute\",
- der Sender, der die Welt bedeutet!
Multikulti heißt, dass Deutschland noch offen ist!
Es bedeutet, dass Berlin uns noch hoffen lässt!
Und in Brandenburg schrien sie wieder \"Sieg Heil\",
Multikulti steht für das Gegenteil!
Mit Musik und Kultur gegen Vorurteil,
also lasst diesen Sender am Leben, weil:
[Kultur für die Masse ist schwer zu ertragen!]
Nichts ist so Kult wie
Radio Multikulti
Berlin ohne ist wie Nationalelf ohne Poldi
Hier geht\'s nicht um Quote, hier geht\'s um Menschen
Hier ist Platz, dass sich Völker gegenseitig ergänzen
Eine Sintflut von Input
Und sie klingt gut
Karneval, hey
Völkerball,
Ob man hinhört oder hinguckt
Das ist M für Musik, für den Mix und für die Menschen
Das ist U für uns alle, für unglaublich unbegrenzt sein
Das ist L für die Leidenschaft, die Liebe und das Leben
Das ist T
I
K
U
L
T
I
und das soll\'s für immer geben!
Sag mal, ist das noch normal
voll und ganz total normal?
Findet ihr das nich\' normal?
Ditt is doch nich\' normal!
Für euch sind wir nicht normal,
das finden wir nicht normal,
wir sind lieber nicht normal!
Du findest mich nicht normal,
ich finde das nicht normal,
jeder Mensch ist nicht normal,
ich sach\'s noch mal, ich sach\'s noch mal:
Du findest mich nicht normal,
ich finde das nicht normal,
jeder Mensch ist nicht normal!
Wissen Sie, was dieses Lied bedeutet? Dass Sender wie Multikulti und Multicult2.0 ein Zuhause im Äther, im Netz, wo auch immer sein können. Mehr
als Hintergrundgedudel. Es gibt Menschen, für die war das Aus von Multikulti wie der Tod eines Familienangehörigen. Schwer vorstellbar für jemanden
wie Sie, das denke ich mir. Sie begnügen sich mit Ihrem Ärger. Sie tun mir Leid. Aber ich habe ja noch Multicult2.0.
Mit freundlichen Grüßen,
Sabrina Železný
(Ja, richtig - tschechischer Name, österreichischer Vater, trotzdem hab ich einen deutschen Pass! Lustig, die Globalisierung, nicht wahr?)
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02:30:36 09.03.2010 Woche: 189
Von goldenen Statuen und blauen Menschen
Gestern habe ich (natürlich) die Oscarverleihung angeschaut und »La Teta Asustada« die Daumen gedrückt. Nun, schade, dass der Oscar letztendlich nach Argentinien und nicht nach Perú ging – aber die Argentinier machen auch gute Filme und allein die Nominierung ist ein Riesenerfolg für Claudia Llosa und Magaly Solier .
Mit einer gewissen Genugtuung hat es mich erfüllt, dass der als Favorit gehandelte »Avatar« nur drei Oscars bekommen hat. Ich habe den Film nicht gesehen, aber der Publicity-Wirbel um ihn hat ihn mir unsympathisch gemacht.
Trotzdem werde ich ihn mir wahrscheinlich doch noch irgendwann ansehen und das hat interessante anthropologische Gründe.
Als ich das erste Mal von dem Film hörte, war das in Deutschland und die Einschätzung kam von einer Deutschen: »Ja, der neue Film von James Cameron, supertolle Spezialeffekte, aber eine laue Story, die man schon hundertmal gesehen hat.«
So nahm ich den Film selbst auch wahr – ohne ihn gesehen zu haben.
Dann habe ich mich hier mit Paola über »Avatar« unterhalten. Sie hatte ihn gesehen und war begeistert – von der »lauen Story«.
»Das ist unsere Geschichte, es ist genau das, was in Perú passiert«, lautete ihre Einschätzung. »Die Leute in der Selva, die um ihr Land und ihre Selbstbestimmung kämpfen ... Das ist genau das, was auch der Film erzählt.«
Und lustigerweise bekam ich kurz nach diesem Gespräch eine E-Mail aus Deutschland mit einem Artikel über die Minengesellschaften in Cajamarca (Nordperú). Die Autorin des Artikels, eine Deutsche, hatte auch »Avatar« gesehen und zog die gleiche Parallele.
Am Samstag schließlich unterhielt ich mich mit einem weiteren Peruaner, der von »Avatar« nur so schwärmte.
Geschichten haben nicht überall auf der Welt die gleiche Bedeutung – oder werden gleich verstanden. Mich erinnnert das an die Anekdote eines Ethnologen, der im afrikanischen Busch die Geschichte von Hamlet erzählt, aber nicht weit kommt, weil alle entscheidenden Elemente – der Geist von Hamlets Vater, die Tatsache, dass Hamlets verwitwete Mutter den Bruder geheiratet hat, etc. – in der betreffenden afrikanischen Gesellschaft eine ganz andere Bedeutung haben, teilweise keineswegs skandalös sind und die Handlung plötzlich aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet wird.
Ähnlich ist es mit »Avatar«. In Europa und vermutlich auch in den USA wird der Film wohl in erster Linie als ein Feuerwerk an Spezialeffekten und innovativer Technologie wahrgenommen; in zweiter Linie als eine schöne Science-Fiction-Fantasy-Erzählung. Aber hier in Perú ist die Realität eine andere, und nach allem, was ich gehört habe, funktioniert der Film hier in erster Linie über seine Botschaft, wird er vor allem als Metapher für diese Realität verstanden. Im Film sind es die blauen Bewohner des Planeten Pandora, die von Eindringlingen bedroht werden und ihre traditionellen Formen des Lebens verteidigen müssen. In Perú gibt es in diesem Sinne tausende Pandoras, in der Selva wie auch in der Sierra.
Faszinierend: Ich habe beobachtet, dass »Avatar« und sein Erfolg die Menschen hier beflügeln, weil sie meinen, dass die Botschaft des Films klar ist. Wenn sie von »Avatar« reden, dann geht es nicht um die atemberaubenden Computeranimationen, es geht über um »el mensaje«, um die Botschaft, die in der Geschichte steckt.
Und doch glaube ich, dass es leider nicht diese Geschichte mit der in ihr verborgenen schmerzhaften Aktualität ist, die »Avatar« neun Oscarnominierungen eingebracht hat (in der Kategorie »Bestes Drehbuch« war der Film ja beispielsweise nicht nominiert ...). Auch die Tatsache, dass es der »erfolgreichste Film aller Zeiten« ist, verdankt sich zu großen Teilen dem Fakt, dass die Eintrittskarten für 3D-Kino teurer sind als für herkömmliches Kino und »Avatar« auf diese Weise mit weniger Zuschauern mehr Einnahmen generiert.
Ich bin also sicher: Der kommerzielle Erfolg des Films hat – leider – nichts mit seiner Botschaft zu tun. Viele Zuschauer werden nicht den Schritt machen, von der Science-Fiction-Welt auf die Realität zu schließen – nicht nur in Perú gibt es Pandoras, überall auf der Welt kämpfen Menschen um ihren Lebensraum, ihre Würde, ihre Tradition. Kann »Avatar« wirklich darauf aufmerksam machen? Ich bezweifle es – aber die Menschen von Perú haben Hoffnung.
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23:10:34 04.03.2010 Woche: 188
Vitamin B und USB
Zwei wichtige Ankündigungen. Zum einen habe ich mir ein USB-Kabel geleistet und kann jetzt Fotos von meinem Zimmer und »meinem« Haus präsentieren, wie Ihr weiter unten sehen können.
Zweitens teile ich Euch mit, dass ich morgen mein zweiwöchiges Praktikum beim MINCETUR beginne (Ministerio de Comercio Exterior y Turismo – das Tourismus- und Außenhandelsministerium in Arequipa). Wie es dazu gekommen ist? Die übliche Geschichte: Meine Freundin Shirley kannte mal eine Frau, deren Untermieterin einen Onkel hat, dessen Freund beim MINCETUR arbeitet und ein gutes Wort bei einem Kollegen eingelegt hat. Gestern Abend flüsterte mir Shirley noch verschwörerisch zwischen zwei Pisco Sour zu »¡te tengo trabajo!«, ich habe Arbeit für dich – und heute saß ich im Büro des MINCETUR und erfuhr, dass ich morgen anfangen kann. Erstmal zwei Stunden am Tag, nachmittags, bis mein Tanzkurs vorbei ist und ich auch morgens kommen kann. Was ich da genau machen werde? Keine Ahnung, aber es macht bestimmt Spaß.
Nun zu den Bildern.
Hier seht Ihr Aufnahmen aus meinem Zimmer:


Das hier ist die beschauliche Calle Miguel Grau, in der ich wohne:

Und das ist das Haus:

Blick aus dem Badezimmer:

Abendstimmung - der Misti in düstere Wolken gehüllt:

Und bitte recht freundlich - Abendstimmung über Arequipa:

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